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Herz
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Das Herz (fachsprachlich auch Cor, von lateinisch cor, oder Kardia, auch Cardia, von griechisch ÎșαÏΎία kardĂa) ist ein bei verschiedenen Tiergruppen vorkommendes muskulĂ€res Hohlorgan (Hohlmuskel), das mit Kontraktionen Blut oder HĂ€molymphe in den Kreislauf und somit durch den Körper pumpt und so die Versorgung aller Organe sichert. Höherentwickelte Herzen, beispielsweise bei den Wirbeltieren, arbeiten wie eine VerdrĂ€ngerpumpe, indem FlĂŒssigkeit (Blut) ventilgesteuert aus BlutgefĂ€Ăen angesaugt wird (bei SĂ€ugern Hohl- bzw. Lungenvenen) und durch andere BlutgefĂ€Ăe ausgestoĂen wird (bei SĂ€ugern Truncus pulmonalis bzw. Aorta).
Die Lehre von Struktur, Funktion und Erkrankungen des Herzens ist die Kardiologie. Ein Leben ohne Herz ist fĂŒr höhere Tiere und den Menschen nicht möglich, jedoch können kĂŒnstliche Herzen den Verlust der natĂŒrlichen Funktionen mittlerweile in gewissen Grenzen ausgleichen. Das Herz gehört zu den ersten wĂ€hrend der Embryonalentwicklung angelegten Organen. Historisch wurzelt die Formulierung des springenden Punktes in dem zu schlagen beginnenden Herz des HĂŒhnerembryos.
Contents
âą Etymologie
⹠Herzhöhlen
âą Nebenherzen
âą Herzfrequenz
âą Blutdruck
âą Wandstruktur
âą Fische
âą Amphibien
âą Reptilien
âą Lage
âą Anatomie
âą Entwicklung
âą Regulation
âą Erkrankungen
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Animationen
âą Institutionen
âą Einzelnachweise
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Etymologie
Der neuhochdeutsche Begriff Herz â mittelhochdeutsch hĂ«rz[e], auch hertz, althochdeutsch herza â geht auf das indogermanische *kÄÌrd zurĂŒck. Es hat somit denselben etymologischen Ursprung wie die lateinischen und griechischen Formen. Die im Deutschen am Anfang und am Ende des Wortes befindlichen zwei Konsonanten beruhen auf einem Wandel, der im Laufe der Generationen auftritt und als Lautverschiebung bezeichnet wird.cite-ref-1[1]
Herzhöhlen
Die Herzen von Mensch und SĂ€ugetier haben vier Herzhöhlen: zwei Vorhöfe (Atrium) und zwei Kammern (Ventrikel). Das Atrium war in der römischen Architektur der Innenhof oder Vorraum eines Wohnhauses. Ein Ventrikel ist im Lateinischen (ventriculus) ein âkleiner Bauchâ; venter ist der Magen oder das Abdomen. Es ist sprachlich falsch, wenn die Kardiologen vom Vierkammerblick, von der Vierkammerebene und dem Dreikammerblickcite-ref-2[2] oder vom Dreikammerschrittmacher sprechen. Im Englischen dagegen hat ein four-chambered heart zwei Ventrikel; ein Ventrikel is one of two large chambers. Beim Ăbersetzen ist chamber (= Kammer, lateinisch camera) also entweder eine Herzkammer oder eine Herzhöhle (lateinisch cavum cordis). Ein Zweikammer-Herzschrittmacher stimuliert einen Vorhof und die dazugehörige Kammer, nicht aber beide Ventrikel.
Forschungsgeschichte
Denker der Antike wie Empedokles (5. Jahrhundert v. Chr.), Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.), Diokles von Karystos (4. oder 3. Jahrhundert v. Chr.), Vertreter der westgriechischen Medizin und die meisten Stoiker sahen das Herz als Zentralorgan des Körpers und Ausgangspunkt fĂŒr BlutgefĂ€Ăe und Nerven an. Als Aufgabe des Gehirns nahmen sie hingegen nur die AbkĂŒhlung der im Herzen lokalisierten WĂ€rme an.cite-ref-3[3]
Der griechische Philosoph Alkmaion erkannte, dass nicht das Herz die ihm in der Antike noch zugesprochene Rolle als Zentralorgan der Wahrnehmung und der Erkenntnis hat, sondern das Gehirn, welches er auch fĂŒr die BewegungsablĂ€ufe im Körper verantwortlich machte. Alkmaions Theorie folgten auch Platon und Verfasser des Corpus Hippocraticum. Auch wenn diese Lehre durch die alexandrinischen Ărzte Herophilos von Chalkedon und Erasistratos bestĂ€tigt wurde, hielten sich noch lange die Ă€lteren Vorstellungen vom Herz als Zentralorgan.cite-ref-4[4]
Die linke Herzkammer galt, so bei Galen in De usu partium, als Ort der âeingepflanzten WĂ€rmeâ (calor innatus), dem eigentlichen Lebensprinzip, und damit als Speicher des âLebenspneumasâ (wĂ€hrend das âSeelenpneumaâ im Gehirn vermutet wurde). Der linke Herzvorhof wurde von Galen als Teil der Lungenvene aufgefasst.cite-ref-5[5]
Der arabische Arzt Ibn an-NafÄ«s (1213â1288) war der Erste, der das Herz anatomisch richtig beschrieb. Der englische Arzt William Harvey (1578â1657) zeigte, dass die Kontraktionen des Herzens die Bewegung des Bluts durch den Kreislauf antreiben.cite-ref-6[6]
Anatomisch bedeutende Darstellungen des Herzens publizierten unter anderem auch Berengario da Carpi, Leonardo da Vinci, Andreas Vesalius und Godefridus Bidloo. Zu den bekanntesten Abhandlungen ĂŒber die Anatomie und Pathologie des Herzens im 18. Jahrhundert gehört die 1749 erschienene Schrift TraitĂ© de la structure du coer, de son action et de ses maladies von Jean-Baptiste SĂ©nac, dem Leibarzt von Ludwig XV.cite-ref-7[7]
Herztypen und deren Verbreitung im Tierreich
Röhrenherzen und Kammerherzen
Die Herzen der verschiedenen Tiergruppen lassen sich bezĂŒglich ihres Aufbaus in röhrenförmige und gekammerte Typen einteilen.
Röhrenförmige Herzen setzen das Blut oder die HĂ€molymphe in Bewegung, indem Kontraktionswellen durch ihre WĂ€nde laufen (Peristaltik). So kann ein gerichteter Fluss erzeugt werden, auch wenn keine Ventile vorhanden sind. GliederfĂŒĂer haben röhrenförmige Herzen, die nahe am RĂŒcken liegen. Bei Insekten und manchen Krebsen wie Artemia können sie sich ĂŒber lĂ€ngere Körperabschnitte erstrecken, bei anderen Krebsen handelt es sich um kurze muskulĂ€re SĂ€cke. Das Blut beziehungsweise die HĂ€molymphe tritt meistens ĂŒber seitliche Ăffnungen ein, sogenannte Ostien. Diese können recht zahlreich werden, die Fangschreckenkrebse haben 13 Paare.cite-ref-lehrbuch3-8-0[8] Manchmal geschieht der Zufluss aber auch von hinten ĂŒber Venen. Bei der Herzkontraktion wird die FlĂŒssigkeit nach vorne in eine mit Klappen versehene Arterie gepresst. Das Herz ist an BĂ€ndern oder Muskeln aufgehĂ€ngt, die durch die Herzkontraktion unter Spannung gesetzt werden. Beim Erschlaffen des Herzens öffnen sich die Ostien und das Herz erweitert sich, so dass FlĂŒssigkeit nachströmen kann. Das Arthropodenherz lĂ€sst sich daher mit einer Saugpumpe vergleichen.
Röhrenförmige Herzen kommen auch bei den Urochordata und bei Embryonen der Wirbeltiere vor. Beim Manteltier Ciona Ă€ndert sich die Richtung der Kontraktionswellen rhythmisch, so dass die Flussrichtung des Blutes abwechselt.cite-ref-kurzes-9-0[9]cite-ref-tierphys-10-0[10] Dies ist auch bei Insekten so. So zeigt die visuelle Beobachtung vom Herz von ruhenden MĂŒcken der Art Anopheles gambiae, dass sich dieses mit einer Rate von 1,37 Hz (82 SchlĂ€ge pro Minute) zusammenzieht und die Kontraktionsrichtung wechselt, wobei 72 % der Kontraktionen in anterograder Richtung (zum Kopf hin) und 28 % der Kontraktionen in retrograder Richtung (zur Bauchspitze hin) erfolgen.cite-ref-doi10-1242-jeb-035014-11-0[11]
Bei Herzen mit Kammern zieht sich eine Kammer komplett zusammen. Das FlieĂen in die falsche Richtung wird durch Klappen verhindert, die sich nur in eine Richtung öffnen. Dieser Herztyp kommt besonders bei Weichtieren und Wirbeltieren vor. Aufgrund der sehr starken Wandmuskulatur wirken diese Herzen zusĂ€tzlich als Druckpumpe, die einen hohen Blutdruck erzeugen kann. Bei vielen Weichtieren, speziell bei den Schnecken, aber auch bei niederen Wirbeltieren funktioniert die FĂŒllung des Herzens durch Unterdruck in der Perikardhöhle, die das Herz umgibt. Die Wand dieser Höhle kann sehr fest sein, so dass hier bei der Herzkontraktion ein Unterdruck entsteht, der nach Ende der Kontraktion Blut in das Herz saugt. Bei Haien entstehen so â5 mmWS. Die Kammer (auch: Ventrikel) hat eine dicke, muskulĂ€re Wand. Ihr vorgeschaltet ist der Vorhof (auch: Atrium), der eine schwĂ€chere Wandmuskulatur hat und der durch seine Kontraktion die Kammer befĂŒllt.cite-ref-kurzes-9-1[9]
Myogene und neurogene Herzen
Die Herzkontraktion wird durch einen elektrischen Impuls ausgelöst. Bei myogenen Herzen wird dieser Impuls spontan und rhythmisch in spezialisierten Herzmuskelzellen ausgelöst, den Schrittmacherzellen. Dies kommt bei Wirbeltieren, Manteltieren, Weichtieren sowie bei manchen RingelwĂŒrmern und GliederfĂŒĂern (darunter die Insekten) vor. Bei SĂ€ugern und Vögeln wurden die verantwortlichen Zellen im Sinusknoten lokalisiert. Die elektrische GesamtaktivitĂ€t eines myogenen Herzens lĂ€sst sich in einem Elektrokardiogramm (EKG) darstellen. Das EKG ist fĂŒr jede Tierart typisch.cite-ref-lehrbuch3-8-1[8]cite-ref-kurzes-9-2[9]
Bei neurogenen Herzen wird der Impuls zur Kontraktion durch Nervenzellen (genauer: Ganglienzellen) ausgelöst, die am Herzen anliegen. Eine solche neurogene Automatie kommt bei manchen RingelwĂŒrmern und manchen GliederfĂŒĂern vor, zum Beispiel bei den ZehnfuĂkrebsen, zu denen Hummer, Krabben und andere Gruppen gehören. Das verantwortliche Herzganglion kann je nach Art zum Beispiel neun oder 16 Zellen haben. Auch der Pfeilschwanzkrebs Limulus und die Vogelspinne Erypelma californicum haben ein neurogenes Herz. WĂ€hrend sich bei myogenen Herzen die Erregung von den Schrittmacherzellen ĂŒber jeweils benachbarte Muskelzellen schlieĂlich im gesamten Herzen ausbreitet, findet eine solche muskulĂ€re Erregungsweiterleitung in neurogenen Herzen soweit bekannt nicht statt. Stattdessen sind die Muskelzellen vielfach innerviert. Bei Limulus wird jede Muskelzelle von sechs oder mehr Nervenzellen innerviert, die Ganglien entspringen, die rĂŒckenwĂ€rts am Herzen anliegen und die Erregung steuern.cite-ref-lehrbuch3-8-2[8]cite-ref-kurzes-9-3[9]cite-ref-lehrbuch-12-0[12]
Auch myogene Herzen sind oft innerviert, etwa bei Weichtieren und Wirbeltieren. So können sowohl myogene als auch neurogene Herzen durch das Nervensystem gesteuert werden. Durch entsprechende Nervenimpulse können beispielsweise die Schrittmacherzellen stimuliert oder inhibiert werden, so dass die Herzfrequenz gesteigert oder herabgesetzt wird, je nach den körperlichen Erfordernissen.cite-ref-lehrbuch3-8-3[8]
Nebenherzen
Die meisten Weichtiere haben ein offenes GefĂ€Ăsystem mit einem Herzen mit Vorhof und Kammer. Bei den KopffĂŒĂern, die ein weitgehend geschlossenes GefĂ€Ăsystem haben, finden sich jedoch neben dem Hauptherzen noch zwei Kiemenherzen, die das Blut durch die Kapillaren der Kiemen pressen. Sie haben also eine Ă€hnliche Funktion wie die rechte HerzhĂ€lfte der SĂ€uger, die den Lungenkreislauf antreibt.
Bei Myxinen, einer Gattung der Schleimaale, finden sich neben dem Hauptherzen noch Portalherz, Cardinalherzen und Caudalherz. Nebenherzen gibt es auch in den FlĂŒgelvenen von FledermĂ€usen. Im LymphgefĂ€Ăsystem von Froschlurchen treten sogenannte Lymphherzen auf. Sie sind paarig in der NĂ€he des SteiĂbeins angelegt und haben eine neurogene Automatie. Ein eigener Schrittmacher ist jedoch nicht vorhanden. Stattdessen werden sie vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Lymphherzen kommen auch bei manchen Reptilien und Vögeln vor, etwa beim StrauĂ, bei den meisten Vögeln und den SĂ€ugern aber nicht.cite-ref-lehrbuch3-8-4[8]cite-ref-kurzes-9-5[9]
Bei vielen Insekten kommen zusĂ€tzliche Herzen in FlĂŒgeln, Beinen und Antennen vor, die helfen, die HĂ€molymphe durch diese schmalen KörperanhĂ€nge zu pressen. Bis zu einigen Dutzend dieser akzessorischen Herzen können auftreten.cite-ref-tierphys-10-1[10]
Andere blutfördernde Organe
Neben Herzen tragen bei manchen Arten auch andere Organe zum Fluss des Blutes bei. In den Beinen der Landwirbeltiere fĂŒhrt die Kontraktion der Muskeln zu einem verbesserten RĂŒckstrom des venösen Blutes zum Herzen. Die Körperbewegung der GliederfĂŒĂer setzt die HĂ€molymphe in Bewegung. Bei manchen Arten kommen BlutgefĂ€Ăe vor, die sich zusammenziehen können, zum Beispiel beim Perlboot Nautilus, wo sie das Blut durch die Kiemen zum Herzen pumpen.cite-ref-tierphys-10-2[10]
Herzfrequenz
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Hauptartikel
:
Herzfrequenz
Generell gilt, dass innerhalb einer Tiergruppe die Herzfrequenz groĂer Arten niedriger ist als jene von kleineren Arten. Dies wurde beispielsweise fĂŒr SĂ€uger, Krebstiere oder Spinnentiere gezeigt. Bei SĂ€ugern liegen die Werte fĂŒr ausgewachsene Tiere in Ruhe zwischen 6 SchlĂ€gen pro Minute beim Blauwal und 1000 SchlĂ€gen pro Minute bei der Etruskerspitzmaus.cite-ref-dobson-13-0[13] Eine Ausnahme von der Regel ist die Giraffe, die mit 170 SchlĂ€gen pro Minute eine deutlich höhere Frequenz hat als Tiere vergleichbarer GröĂe.cite-ref-tierphys-10-3[10]
Bei gleichwarmen Tieren ist die Frequenz höher als bei gleich groĂen wechselwarmen Tieren. Wie auch die Atemfrequenz steht die Herzfrequenz in Relation zur Stoffwechselrate. Bei gleich groĂen verwandten Arten mit unterschiedlicher AktivitĂ€t haben die trĂ€geren eine langsamere Herzfrequenz als die lebhafteren. Bei Vögeln, Krebsen und Lungenschnecken lĂ€sst sich der Zusammenhang zwischen steigender Körpermasse ( M {\displaystyle M} ) und abnehmender Herzfrequenz ( H F {\displaystyle HF} ) mit folgender allometrischer Gleichung beschreiben:
H F = a â
â
M b {\displaystyle HF=a\cdot M^{b}}
wobei a {\displaystyle a} eine fĂŒr die Tiergruppe spezifische Konstante ist und b {\displaystyle b} bei den Vögeln â0,27, bei den Krebsen â0,12 und bei den Lungenschnecken â0,11 betrĂ€gt. GrundsĂ€tzlich beziehen sich derartige Vergleiche auf erwachsene Tiere.cite-ref-lehrbuch3-8-5[8]cite-ref-lehrbuch-12-2[12]
Die HĂ€ufigkeit des Herzschlags (Herzfrequenz) ist nicht allein entscheidend fĂŒr die Blutmenge, die durch das Herz hindurchgepumpt wird, sondern auch die Amplitude zwischen der Dehnung und Kontraktion der Herzmuskeln, also das Herzschlagvolumen. Aus dem Zusammenwirken beider ergibt sich (als Produkt) das Herzzeitvolumen.
Blutdruck
Der Blutdruck ist der Druck, gegen den das Herz seinen Inhalt auswerfen muss. Er ist damit entscheidend fĂŒr die Arbeit, die das Herz verrichten muss. Bei Tieren mit einem geschlossenen Blutkreislauf hĂ€ngt die Höhe des Blutdrucks unmittelbar mit der Auswurfleistung des Herzens zusammen. Das Herzzeitvolumen ist hier der Quotient aus Blutdruck und peripherem Widerstand. Dies ist bei Tieren mit offenem Kreislaufsystem nicht der Fall. Da die HĂ€molymphe auch die Leibeshöhle durchströmt, ist der Blutdruck hier einerseits vergleichsweise niedrig und andererseits abhĂ€ngig von der Körperbewegung und -haltung und dadurch sehr variabel.cite-ref-lehrbuch3-8-6[8]
Bei den Weichtieren wurde gezeigt, dass der Druck, der vom Ventrikel aufgebaut werden kann, bei den Tiergruppen mit aktiverer Lebensweise gröĂer ist. Bei den KopffĂŒĂern sind bei Octopus bis zu 600 mmWS gemessen worden (entspricht 44 mm Hg), bei der Schnecke Patella 50 mmWS (3,7 mm Hg) und bei Muscheln in der Regel unter 20 mmWS (1,5 mm Hg).cite-ref-lehrbuch3-8-7[8]
Bei den Wirbeltieren ist der Blutdruck am höchsten im Körperkreislauf der Vögel, dicht gefolgt vom Körperkreislauf der SĂ€uger. Die anderen Wirbeltiergruppen, die keine vollstĂ€ndige Trennung zwischen Lungenkreislauf und Körperkreislauf haben (siehe unten), haben deutlich niedrigere BlutdrĂŒcke (siehe Tabelle). Bei Vögeln und SĂ€ugern nimmt der Blutdruck mit dem Alter zu und ist bei MĂ€nnchen etwas höher als bei Weibchen. Bei SĂ€ugetieren, die Winterschlaf halten, sinkt der Blutdruck stark.cite-ref-lehrbuch2-14-0[14] Wenn nicht anders angegeben, beruhen die Zahlenangaben der Tabelle auf dem zitierten Lehrbuch.cite-ref-lehrbuch2-14-1[14] Angegeben werden zuerst der Ruheblutdruck am Ende der Herzkontraktion (systolischer Blutdruck), der dem Druck im (linken) Ventrikel entspricht, und gefolgt von einem SchrĂ€gstrich der Druck in der Aorta am Beginn der nĂ€chsten Kontraktion, gegen den das Herz das Blut auswerfen muss (diastolischer Blutdruck). Alle Werte in mm Hg.
Herzen der Wirbeltiere
Alle Wirbeltierherzen sind myogen, ein Schrittmacher sorgt fĂŒr eine herzeigene Reizgenerierung. In vielen FĂ€llen schlagen Herzen unter kontrollierten Bedingungen noch weiter, nachdem sie aus einem Tier herausprĂ€pariert wurden. Diese Eigenschaft wird als Autorhythmie oder Autonomie bezeichnet.cite-ref-lehrbuch-12-3[12]
Wandstruktur
Die WĂ€nde der Wirbeltierherzen sind aus mehreren Schichten aufgebaut. Das Herz ist umgeben vom Herzbeutel (Perikard). Die Ă€uĂerste Schicht des Herzens ist das Epikard und nach innen folgt das Ă€uĂere Bindegewebe des Herzens. Wenn KoronargefĂ€Ăe (HerzkranzgefĂ€Ăe) vorhanden sind, liegen sie hier. Sie erstrecken sich dann von hier in die darunter liegende Muskelschicht, das Myokard. Hier liegen die Herzmuskelzellen, die Kardiomyozyten. Die innerste Schicht ist das Endokard, eine Bindegewebsschicht, die zum Herzinnenraum hin von einer Schicht Epithelzellen abgeschlossen wird.cite-ref-tierphys-10-4[10]
Die Muskelschicht kommt in zwei Formen vor, als kompaktes oder spongiöses (schwammiges) Myokard. Der jeweilige Anteil beider Typen ist artspezifisch. Bei Fischen und Amphibien liegt hauptsĂ€chlich spongiöses Myokard vor, wĂ€hrend SĂ€uger fast nur kompaktes Myokard haben. Im Gegensatz zu kompaktem hat spongiöses Myokard hĂ€ufig keine BlutgefĂ€Ăe, es wird vom Blut im Herzen versorgt. Das spongiöse Myokard kann in Trabekeln oder BĂ€lkchen in die Herzkammer hineingezogen sein.cite-ref-tierphys-10-5[10]
Fische
Das Herz der Fische sammelt das Blut aus dem Körper und treibt es mit starkem Druck in die Kiemen. Diese Funktionen lassen sich im Aufbau wiederfinden. Von den vier hintereinander liegenden Kammern sammeln die hinteren beiden, der Sinus venosus und der Vorhof (Atrium), das Blut. Aus diesen beiden dĂŒnnwandigen RĂ€umen wird das Blut zunĂ€chst in den muskulösen Ventrikel geleitet. Bei den Plattenkiemern (Elasmobranchii, Haie und Rochen) folgt der muskulöse Conus arteriosus (auch Bulbus cordis). Ihr Herzbeutel (Perikard) ist steif, so dass durch das Auspressen des Blutes ein Unterdruck entsteht. Dieser hilft bei der FĂŒllung fĂŒr den nĂ€chsten Zyklus.cite-ref-kurzes-9-6[9]cite-ref-tierphys-10-6[10]cite-ref-lehrbuch-12-4[12]
Bei den Echten Knochenfischen (Teleostei) ist der Conus arteriosus weitgehend zurĂŒckgebildet. Stattdessen haben sie aus dem Anfang der Aorta den Bulbus arteriosus entwickelt, eine Struktur, die viele elastische Fasern sowie glatte Muskelzellen enthĂ€lt. Er ruft einen starken Windkesseleffekt zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks hervor.
Die Kontraktionswelle entsteht myogen im Sinus venosus und lĂ€uft dann nach vorne. Klappen zwischen den Kammern verhindern das ZurĂŒckflieĂencite-ref-kurzes-9-7[9]cite-ref-tierphys-10-7[10]cite-ref-lehrbuch-12-5[12] (siehe auch Blutkreislauf der Fische).
Eine Abwandlung dieses Bauplans liegt bei den Lungenfischen (Dipnoi) vor. Der Vorhof ist hier geteilt. WĂ€hrend der rechte Vorhof wie der Vorhof der anderen Fische das sauerstoffarme Blut aus dem Körper aufnimmt, wird der linke Vorhof vom neu entwickelten Lungenkreislauf mit sauerstoffreichem Blut gespeist. Eine lange Spiralfalte im Bulbus cordis hilft, das sauerstoffreiche Blut ĂŒber die Aorta dorsalis in den Körper zu leiten. Wie die Elasmobranchii haben auch die Lungenfische einen steifen Herzbeutel.cite-ref-lehrbuch-12-6[12]
Siehe auch
:
âKreislauf und Atmungâ im Artikel: Knochenfische
Amphibien
Das Herz der Amphibien Ă€hnelt dem der Lungenfische: Es besitzt zwei separate Vorhöfe und eine Hauptkammer (Ventrikel). Der Sinus venosus ist bei den Amphibien verkleinert. Sauerstoffreiches Blut aus der Lunge kommt im linken Vorhof an, das Blut des Körperkreislaufs im rechten. Von dort gelangt das Blut in die Kammer und danach durch den Conus arteriosus in den Lungen- und den Körperkreislauf. Trabekel in der Kammer erlauben es, sauerstoffreiches und -armes Blut weitgehend getrennt zu halten. Eine Spiralfalte im Conus arteriosus leitet bevorzugt sauerstoffarmes Blut zur Arteria pulmocutanea, deren weitere Verzweigungen zur Lunge und zur Haut fĂŒhren. Hautatmung kann bei Amphibien einen wichtigen Anteil der Sauerstoffversorgung stellen. Der Körperkreislauf wird dagegen mit sauerstoffreichem Blut beschickt.cite-ref-kurzes-9-8[9]cite-ref-tierphys-10-8[10]
Sauerstoffreiches Blut von der Haut kommt im Gegensatz zu dem Blut aus der Lunge im rechten Vorhof an, zusammen mit dem sauerstoffarmen Blut aus dem Körperkreislauf. Taucht ein Frosch in sauerstoffreichem Wasser, flieĂt weniger Blut durch die Lungen, dafĂŒr mehr durch die Haut. Der gemeinsame Ventrikel beider KreislĂ€ufe erlaubt es auch in dieser Situation, dass Sauerstoff in die Gewebe geleitet wirdcite-ref-tierphys-10-9[10] (siehe auch Blutkreislauf der Amphibien).
Reptilien
Bei den Reptilien kommen zwei unterschiedliche Herztypen vor. Der Herztyp der Crocodylia einerseits und der aller anderen Reptilien andererseits.
Die anderen Reptilien haben wie die Amphibien ein Herz mit zwei getrennten Vorhöfen (Atrien) und einem gemeinsamen Ventrikel. Der Ventrikel ist aber hier durch Muskelleisten in drei miteinander in Verbindung stehende RĂ€ume (Cavum arteriosum, Cavum venosum und Cavum pulmonalecite-ref-pr-tz-15-0[15]) unterteilt, so dass von insgesamt fĂŒnf Kammern (besser: Herzhöhlen) gesprochen wird. Der Sinus venosus, bei den Amphibien und Fischen noch dem Vorhof vorgeschaltet, ist weiter reduziert und fehlt manchmal ganz. Entsprechend ist das erregungsbildende Gewebe (Sinusknoten) in die Wand des Atriums verschoben, nahe der VeneneinmĂŒndung.cite-ref-kurzes-9-9[9]cite-ref-tierphys-10-10[10]
WĂ€hrend das Blut aus dem Ventrikel bei den Amphibien noch in einen gemeinsamen Conus arteriosus flieĂt, ist dieser bei den Reptilien dreigeteilt, in die Lungenarterie und in die rechte und die linke Aorta. Im Gegensatz zu den Amphibien spielt Hautatmung keine Rolle mehr, so dass eine Sauerstoffanreicherung nur in der Lunge stattfindet. Trotz einer gemeinsamen Kammer bleiben sauerstoffreiches und -armes Blut in der Regel getrennt. Sauerstoffarmes Blut kommt vom Körperkreislauf in den rechten Vorhof, von dort ins Cavum venosum und weiter ins Cavum pulmonale (blaue Pfeile in der rechten Abbildung).cite-ref-tierphys-10-11[10] Das sauerstoffreiche Blut flieĂt ĂŒber Cavum arteriosum und Cavum venosum in die beiden Aorten und damit in den Körperkreislauf.cite-ref-pr-tz-15-1[15]
Durch den gemeinsamen Ventrikel ist es den Reptilien möglich, mit einem Shunt (deutsch: Abzweig, Nebenanschluss) bei Bedarf den Lungen- oder Körperkreislauf zu umgehen. Die Regulation dieser VorgÀnge ist noch nicht völlig verstanden, vermutlich unterscheidet sie sich von Art zu Art. Ein Rechts-links-Shunt bewirkt, dass der Lungenkreislauf umgangen wird und Blut vom Körperkreislauf im Herzen wieder in den Körperkreislauf geleitet wird. Dies geschieht in bei Reptilien hÀufig vorkommenden Atempausen. Auch bei Reptilien, die unter Wasser ruhen, treten sie auf.cite-ref-tierphys-10-12[10]
Bei den Crocodilia ist der Ventrikel vollstĂ€ndig geteilt, dass wie bei SĂ€ugern und Vögeln ein vierkammeriges Herz (besser: ein Herz mit vier Höhlen, ein vierkavitĂ€res Herz, von lateinisch cavum = Höhle, als Oberbegriff von Vorhof und Kammer) vorliegt. Im Gegensatz zu diesen sind jedoch der Lungenkreislauf und der Körperkreislauf nicht vollstĂ€ndig getrennt, so dass Blut zwischen den beiden verschoben werden kann. Sauerstoffreiches Blut kommt von der Lunge in den linken Vorhof und in den linken Ventrikel. Hier entspringt die rechte Aorta, die den vorderen Körper mit dem Gehirn versorgt. Sauerstoffarmes Blut kommt ĂŒber die Körpervene in den rechten Vorhof und weiter in den rechten Ventrikel. Hier entspringt sowohl die linke Aorta, die den Hinterleib versorgt, als auch die Lungenarterie. Bei Luftatmung und körperlicher AktivitĂ€t ist der Druck im linken Ventrikel höher als im rechten. Dadurch ist auch der Druck in der linken Aorta höher als in der rechten. Durch zwei Verbindungen zwischen linker und rechter Aorta strömt dadurch sauerstoffreiches Blut auch in die hintere KörperhĂ€lfte. Das sauerstoffarme Blut landet dagegen weitgehend in der Lunge.cite-ref-tierphys-10-13[10]
Jene Reptilien, bei denen die Trennung des Ventrikels in zwei HĂ€lften besonders ausgeprĂ€gt ist, erreichen höhere Stoffwechselraten als andere. Bei Waranen mit ihrer zusĂ€tzlichen Muskelleiste (siehe Abbildung) kann sie 20 Milliliter Sauerstoff pro Minute pro Kilogramm Körpergewicht betragen, wĂ€hrend Schildkröten nur 10 Milliliter erreichen. Daraus wird geschlossen, dass die Entwicklung vollstĂ€ndig getrennter Kammern wichtig fĂŒr die hohen Stoffwechselraten der SĂ€uger und Vögel war.cite-ref-lehrbuch-12-7[12]
SÀugetiere und Vögel
Bei SĂ€ugetieren und Vögeln sind linke und rechte HerzhĂ€lfte vollstĂ€ndig voneinander getrennt. Im Gegensatz zu den Crocodilia sind bei ihnen aber auch Lungen- und Körperkreislauf vollstĂ€ndig getrennt, so dass in beiden unterschiedlich hohe DrĂŒcke aufgebaut werden können. Auch eine Vermischung von sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut ist ausgeschlossen. Beide HerzhĂ€lften haben einen dĂŒnnwandigen Vorhof und einen dickwandigen Ventrikel, so dass insgesamt vier Herzhöhlen vorhanden sind. Diese haben verglichen mit anderen Wirbeltieren recht glatte innere WĂ€nde.cite-ref-tierphys-10-14[10]
Die rechte HerzhĂ€lfte pumpt das Blut durch den Lungenkreislauf (âkleiner Kreislaufâ), wonach es sauerstoffreich im linken Vorhof ankommt. Die linke HerzhĂ€lfte befördert das Blut durch den Körperkreislauf (âgroĂer Kreislaufâ), an dessen Ende es wieder im rechten Vorhof landet.
Da der GesamtgefĂ€Ăwiderstand sowie der Blutdruck im Körperkreislauf erheblich gröĂer sind als im Lungenkreislauf, muss die linke Herzkammer eine entsprechend gröĂere Arbeit (Herzarbeit) gegen diesen Widerstand verrichten und weist daher eine deutlich stĂ€rkere Wanddicke auf als die rechte. Auch bei unterschiedlichen FĂŒllungsvolumina der vier Herzhöhlen mĂŒssen die Schlagvolumina in beiden Herzkammern und in beiden Vorhöfen bei jedem Herzschlag gleich sein. Diese Gleichheit wird gegebenenfalls durch verschiedene Ejektionsfraktionen gewĂ€hrleistet. Herzklappen zwischen den Vorhöfen und den Ventrikeln sowie am Ausgang der Ventrikel verhindern einen RĂŒckfluss von Blutcite-ref-tierphys-10-15[10] (siehe auch Blutkreislauf der Vögel und SĂ€ugetiere).
Das Herz der SĂ€ugetiere unterscheidet sich bei den verschiedenen Arten nur wenig, abgesehen von einer GröĂenanpassung. Dabei haben einzelne Herzmuskelzellen der verschiedenen Arten wiederum kaum Unterschiede in Morphologie und GröĂe. Die Herzmasse steigt bei den SĂ€ugern linear mit der Körpermasse an, sie betrĂ€gt in der Regel 0,6 % der Körpermasse. Entsprechend steigt auch das Schlagvolumen linear. Das gröĂte Herz hat der Blauwal, der bei einem Körpergewicht von 100 Tonnen ein Herzgewicht von 600 kg und ein Schlagvolumen von 350 Litern erreicht. Seine Herzfrequenz liegt in Ruhe bei 6 SchlĂ€gen pro Minute und kann bei einem Tauchgang auf 2 bis 3 SchlĂ€ge pro Minute abfallen. Das wohl kleinste SĂ€ugerherz hat die Etruskerspitzmaus. Bei einem Körpergewicht von 2 g betragen das Herzgewicht 12 mg und das Schlagvolumen 1,2 ”l. Die Ruheherzfrequenz von 800 bis 1200 SchlĂ€gen pro Minute (= 13 bis 20 SchlĂ€ge pro Sekunde) kann bei körperlicher Anstrengung bis auf 1500 SchlĂ€ge pro Minute (25 SchlĂ€ge pro Sekunde) gesteigert werden.
Auch bei den SĂ€ugetieren besteht ein allometrischer Zusammenhang zwischen Herzfrequenz und Körpermasse. Der Exponent b betrĂ€gt hier â0,25, Ă€hnlich dem der Vögel, die Herzfrequenz nimmt also mit zunehmender Körpermasse ab. Dies wird mit der Stoffwechselrate erklĂ€rt, die mit zunehmender Körpermasse ebenfalls allometrisch abnimmt (b= 3/4). Der zeitliche Abstand von der Erregung der Vorhöfe bis zur Erregung der Ventrikel (PQ-Intervall, siehe unten) steigt ebenfalls allometrisch mit b=1/4.cite-ref-pmid15855389-17-0[17]cite-ref-print-18-0[18]
Eine Ausnahme in mehrerlei Hinsicht ist die Giraffe, die auf Grund des Höhenunterschieds von etwa zwei Metern zwischen Herz und Gehirn einen höheren Blutdruck benötigt. Je nach Quelle liegt dieser bei 300/230 oder 280/180 mmHg und ist damit der höchste aller SĂ€ugetiere. Um den hohen Druck aufzubauen, liegt die Herzfrequenz bei fĂŒr Tiere dieser GröĂe ebenfalls sehr ungewöhnlichen 170 SchlĂ€gen pro Minute (siehe auch: Giraffe#Herz-Kreislauf-System.)cite-ref-tierphys-10-16[10]cite-ref-lehrbuch2-14-2[14]
Auf Grund der Ăhnlichkeit der Herzen der verschiedenen SĂ€ugetierarten kann das unten dargestellte menschliche Herz als Modell fĂŒr alle SĂ€ugerherzen gelten.
Lage und Aufbau des menschlichen Herzens
| Einige Kennzahlen des menschlichen Herzens (Durchschnittswerte) | Einige Kennzahlen des menschlichen Herzens (Durchschnittswerte) |
|---|---|
| LĂ€nge | 15 cm |
| Gewicht | 300 g |
| Schlagvolumen | 70 cmÂł pro Schlag |
| Herzzeitvolumen (HZV) in Ruhe | 4,9 Liter/Minute |
| HZV bei groĂer Anstrengung | 20â25 Liter/Minute |
| Arbeit ( Herzarbeit ) | 0,8 Joule pro Schlag (linke Kammer) 0,16 Joule pro Schlag (rechte Kammer) 100.000 Joule pro Tag (gesamt) |
Lage
Das Herz liegt innerhalb des Herzbeutels (Perikard) im Mediastinum: Seitlich grenzen, getrennt durch parietale und viszerale Pleura (Brustfell), die linke und rechte Lunge an das Herz. Unten sitzt das Herz dem Zwerchfell auf, das mit dem Herzbeutel verwachsen ist. Oberhalb teilt sich die Luftröhre (Trachea) in die beiden Hauptbronchien (Bifurcatio tracheae), von denen der linke vom Aortenbogen ĂŒberquert wird. Unterhalb dieser Aufteilung befindet sich der linke Herzvorhof. Wenn dieser krankhaft vergröĂert ist, kann das zu einer Spreizung der Hauptbronchien fĂŒhren, was sich im Röntgenbild als vergröĂerter Winkel zwischen den Bronchien darstellt. Der linke Vorhof steht auĂerdem nach hinten in direktem Kontakt mit der Speiseröhre. Vor dem Herzen befindet sich das Brustbein (Sternum), im oberen Bereich liegt es vor den abgehenden groĂen GefĂ€Ăen. Zwischen Brustbein und Herz liegt der Thymus.
Das Herz liegt also praktisch direkt hinter der vorderen Leibeswand in Höhe der zweiten bis fĂŒnften Rippe. Die Herzbasis oben reicht nach rechts etwa zwei Zentimeter ĂŒber den rechten Brustbeinrand hinaus. Unten kommt die Herzspitze knapp an eine gedachte senkrechte Linie heran, die durch die Mitte des linken SchlĂŒsselbeins verlĂ€uft (linke Medioklavikularlinie).
Anatomie
Die Gestalt des Herzens gleicht einem abgerundeten Kegel, dessen Spitze nach unten und etwas nach links vorne weist. Das Herzvolumen entspricht ungefĂ€hr dem Volumen der geschlossenen Faustcite-ref-19[19] des betreffenden Menschen. Das Herz sitzt beim Menschen in der Regel leicht nach links versetzt hinter dem Brustbein. In seltenen FĂ€llen ist es nach rechts versetzt (die sogenannte Dextrokardie â âRechtsherzigkeitâ), meist bei Situs inversus (also bei spiegelverkehrter Organanordnung).
Das gesunde Herz wiegt etwa 0,5 % des Körpergewichts, beim Mann zwischen 280 und 340 Gramm, bei der Frau zwischen 230 und 280 Gramm. Ăber den gröĂten Teil des Lebens nimmt die Herzmasse kontinuierlich zu, wobei es bei dauerhafter Belastung eher mit der (risikoarmen) VergröĂerung schon bestehender Herzmuskelzellen reagiert: ab etwa 500 g, dem so genannten kritischen Herzgewicht, erhöht sich das Risiko einer Mangelversorgung des nunmehr vergröĂerten Herzens mit Sauerstoff, da die versorgenden HerzkranzgefĂ€Ăe nicht in gleichem MaĂe mitwachsen.cite-ref-pmid1011819-20-0[20]
Entgegen frĂŒheren Annahmen bildet der Mensch im Lauf seines Lebens neue Herzmuskelzellen, allerdings nur in begrenztem AusmaĂ. Im Alter von 25 Jahren betrĂ€gt die jĂ€hrliche Regeneration etwa ein Prozent, bis zum 75. Lebensjahr fĂ€llt sie auf unter 0,5 Prozent. WĂ€hrend einer durchschnittlichen Lebensspanne werden damit weniger als 50 % der Herzmuskelzellen ersetzt.cite-ref-pmid19342590-21-0[21]
Wandschichten
Das Herz wird vollstĂ€ndig vom bindegewebigen Herzbeutel (Perikard, Pericardium fibrosum) umschlossen. Die untere Seite des Herzbeutels ist mit dem Zwerchfell (Diaphragma) verwachsen, so dass die Bewegungen des Zwerchfells bei der Atmung auf das Herz ĂŒbertragen werden. Die innerste Schicht des Herzbeutels (Pericardium serosum) schlĂ€gt am Abgang der groĂen BlutgefĂ€Ăe (s. u.) in das Epikard um, das dem Herzen direkt aufliegt. Zwischen Perikard und Epikard liegt ein mit 10â20 ml FlĂŒssigkeit gefĂŒllter kapillĂ€rer Spaltraum, der reibungsarme Verschiebungen des Herzens im Herzbeutel ermöglicht.
Diese komplizierten VerhĂ€ltnisse werden anschaulicher, wenn man sich den Herzbeutel als einen mit Luft gefĂŒllten und verschlossenen Luftballon vorstellt. Die eigene zur Faust geschlossene Hand stellt das Herz dar. DrĂŒckt man den Luftballon mit der Faust so weit ein, dass sie vom Ballon vollstĂ€ndig umschlossen wird, so liegt eine Schicht des Luftballons der Faust (dem âHerzenâ) direkt an. Diese Schicht, die dem Epikard entspricht, schlĂ€gt am Ăbergang zum Arm in eine Ă€uĂere Schicht um. Diese Ă€uĂere Schicht entspricht dem Perikard. Zwischen beiden befindet sich ein mit Luft gefĂŒllter Raum, der dem flĂŒssigkeitsgefĂŒllten Spaltraum des Herzbeutels vergleichbar ist.
Unter dem Epikard befindet sich eine Fettschicht (Tela subepicardiaca), in der die HerzkranzgefĂ€Ăe verlaufen. Nach innen hin folgt die dicke Muskelschicht (Myokard) aus spezialisiertem Muskelgewebe, das nur im Herzen vorkommt. Die HerzinnenrĂ€ume werden vom Endokard ausgekleidet, das auch die Herzklappen bildet.
Die Wanddicke der linken Hauptkammer wird im Rahmen der Herzultraschall-Untersuchung ĂŒblicherweise im Bereich von Septum und Hinterwand bestimmt. Normal sind hierbei Messwerte zwischen 6 und 11 mm, im Mittel 9 mm. Beim Ausdauersportler wird eine Wanddicke von unter 15 mm noch als normal angesehen, bei Sportlern mit Widerstandstraining (Gewichtheben) können auch höhere Werte vorkommen. Die WandstĂ€rke der anderen Herzhöhlen ist deutlich geringer und wird standardisiert nicht bestimmt.cite-ref-22[22]
RĂ€ume und GefĂ€Ăe des Herzens
Rechte und linke HerzhĂ€lfte bestehen jeweils aus einer Kammer (lat. Ventriculus cordis, (Herz-)Ventrikel, kurz RV und LV) und einem Vorhof (Atrium, RA und LA). Getrennt werden die RĂ€ume der HerzhĂ€lften vertikal durch die Herzscheidewand (Septum). Diese wird in die Vorhofscheidewand (Septum interatriale, Vorhofseptum) und die Kammerscheidewand (Septum interventriculare, Ventrikelseptum) unterteilt. AuĂen ist die Grenze zwischen Herzkammern und Vorhöfen durch die Herzkranzfurche (Sulcus coronarius) ersichtlich, in welcher die HerzkranzgefĂ€Ăe verlaufen. Die Grenze zwischen beiden Herzkammern ist von auĂen durch zwei Furchen â Sulcus interventricularis subsinuosus und Sulcus interventricularis paracoronalis sichtbar. In den Herzkammern bildet die Herzmuskulatur netzartige kleine, in das Innere hineinragende BĂ€lkchen, die als Fleischbalken (Trabeculae carneae, Singular Trabecula carnea) bezeichnet werden.
Das Blut kann zwischen den HerzrĂ€umen nur in eine Richtung flieĂen, da sich zwischen den Vorhöfen und den Kammern sowie zwischen den Kammern und den sich anschlieĂenden GefĂ€Ăen Herzklappen befinden, die wie RĂŒckschlagventile arbeiten. Alle vier Klappen des Herzens befinden sich ungefĂ€hr in einer Ebene, der Ventilebene, und sind gemeinsam an einer Bindegewebsplatte, dem Herzskelett, aufgehĂ€ngt. Innerhalb der Kammern und Vorhöfe finden sich MuskelzĂŒge, die in die HohlrĂ€ume hervorragen â die Papillarmuskeln und die Musculi pectinati.
Arterien transportieren das Blut vom Herzen zu den Organen, Venen von den Organen zum Herzen. Arterien des Körperkreislaufs fĂŒhren sauerstoffreiches (arterielles) Blut, wĂ€hrend Arterien des Lungenkreislaufs sauerstoffarmes (venöses) Blut fĂŒhren. Umgekehrt ist das Blut in den Venen des Körperkreislaufs sauerstoffarm (venös) und das der Lungenvenen sauerstoffreich (arteriell).
In den rechten Vorhof mĂŒnden die obere und untere Hohlvene (Vena cava superior und inferior). Sie fĂŒhren das sauerstoffarme Blut aus dem groĂen Kreislauf (Körperkreislauf) dem Herzen zu. Zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer befindet sich die Trikuspidalklappe, die bei der Kammerkontraktion einen RĂŒckstrom des Blutes in den Vorhof verhindert. Von der rechten Herzkammer aus flieĂt das Blut ĂŒber einen gemeinsamen Stamm (Truncus pulmonalis) in die beiden Lungenarterien. Der RĂŒckfluss in die rechte Kammer wird durch die taschenförmige Pulmonalklappe verhindert. Die Lungenarterien fĂŒhren das sauerstoffarme Blut dem Lungenkreislauf (kleiner Kreislauf) zu.
Durch meist vier Lungenvenen flieĂt das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut in den linken Vorhof. Von hier aus gelangt es ĂŒber eine weitere Segelklappe, die Mitralklappe, zur linken Kammer. Der Ausstrom erfolgt durch den sogenannten linksventrikulĂ€ren Ausflusstrakt (LVOT) ĂŒber eine weitere Taschenklappe (Aortenklappe) und die Hauptschlagader (Aorta) in den Körperkreislauf.
HerzkranzgefĂ€Ăe
â
Hauptartikel
:
KoronargefĂ€Ă
Aus dem Anfangsteil der Aorta entspringen die rechte und linke Herzkranzarterie (Koronararterien). Sie versorgen den Herzmuskel selbst mit Blut. Die Herzkranzarterien sind so genannte âfunktionelle Endarterienâ. Dies bedeutet, dass eine einzelne Arterie zwar mit anderen Arterien verbunden ist (Anastomosen), dass diese Verbindungen jedoch zu schwach sind, um bei Mangelversorgung eine Durchblutung des Gewebes auf einem anderen Weg zu gewĂ€hrleisten. FĂ€llt also eine Arterie aufgrund einer Blockade oder einer anderen Störung aus, kommt es in dem von dieser Arterie versorgten Gebiet zu einem Absterben von Gewebe.
Die linke Koronararterie (Arteria coronaria sinistra, left coronary artery, LCA) versorgt die Herzvorderseite. Sie teilt sich in einen Ramus interventricularis anterior (RIVA, left anterior descending, LAD) und einen Ramus circumflexus (RCX).
Die rechte Koronararterie (Arteria coronaria dextra, right coronary artery, RCA) gibt die A. marginalis dextra ab, welche die freie Wand der rechten Herzkammer versorgt. Am âHerzkreuzâ (Crux cordis) teilt sie sich in den Ramus interventricularis posterior und den Ramus posterolateralis dexter. Die rechte Koronararterie versorgt auch einen wichtigen Teil des Erregungssystems (Sinusknoten, Atrioventrikularknoten).
Es gibt drei groĂe Koronarvenen, die in den Sinus coronarius des rechten Vorhofs mĂŒnden und das sauerstoffarme Blut aus dem Herzmuskel abfĂŒhren. Die groĂe Herzvene (V. cordis magna) verlĂ€uft auf der Vorderseite, die mittlere Herzvene (V. cordis media) auf der Hinterseite und die V. cordis parva am rechten Herzrand. Ein kleiner Teil des sauerstoffarmen Blutes wird ĂŒber die Thebesius-Venen direkt in die Ventrikel entleert.
Entwicklung
Das Herz beginnt sich beim Menschen schon in der 3. Woche der Embryonalentwicklung zu bilden. Dazu lagern sich Angioblasten (BlutgefĂ€Ăbildungszellen) vor und seitlich der PrĂ€chordalplatte an â der Beginn der GefĂ€Ăentwicklung (Vaskulogenese). Sie bilden zunĂ€chst mehrere kleinere HohlrĂ€ume (Sinus), die schlieĂlich zum hufeisenförmigen Herzschlauch verschmelzen. Die Anlage wandert dann kaudoventral (nach unten und in Richtung Bauch). Um den Herzschlauch herum liegt embryonales Bindegewebe (Mesenchym) aus der Splanchopleura (Seitenplattenmesoderm), welches die Herzmuskulatur (Myokard) bildet. Das Epikard â der dĂŒnne Ăberzug des Herzens â entsteht aus Mesothelzellen.
Der primitive Herzschlauch besteht aus folgenden Anteilen:
âą Truncus arteriosus
âą Bulbus cordis primitivus
âą Ventriculus primitivus
âą Atrium primitivum
âą Sinus venosus
Am 23. oder am 24. Tag beginnt das Herz mit peristaltischen Kontraktionen und damit mit Pumpbewegungen.
Man unterscheidet am fetalen Herzen eine Einstrom- von einer Ausstrombahn. In den Sinus venosus flieĂen die Dottersackvenen (Vv. vitellinae), die das Blut vom Dottersack in den Embryonalkreislauf leiten, die Nabelvene (V. umbilicalis), die sauerstoffreiches Blut aus den Chorionzotten fĂŒhrt, und die Kardinalvenen (Vv. cardinales anteriores et posteriores), welche das Blut aus dem eigentlichen Embryonalkreislauf enthalten und es wieder zurĂŒckfĂŒhren, ein. Die Ausstrombahn erhĂ€lt erst Anschluss an die Kiemenbogenarterien, spĂ€ter an den Aortenbogen bzw. den Truncus pulmonalis.
Wichtige Prozesse im Rahmen der Entwicklung sind die Bildung des Cor sigmoideum (vom Schlauch zur Schleife) und die Trennung in zwei getrennte KreislÀufe (Körper- und Lungenkreislauf). Weiter werden das Atrium primitivum in einen rechten und einen linken Vorhof (durch Auswachsen von Endokardkissen) und der Ventriculus primitivus in eine rechte und eine linke Herzkammer (durch Bildung des muskulösen und membranösen Septums) unterteilt.
Die Segelklappen (zwischen Vorhöfen und Kammern) bilden sich ebenfalls aus auswachsenden Endokardkissen, die Taschenklappen durch Bildung von EndothelwĂŒlsten.
Funktionsweise des menschlichen Herzens
Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem
â
Hauptartikel
:
Erregungsleitungssystem
und
Elektrokardiogramm
Die Kontraktion von Herzmuskelfasern wird durch elektrische Signale ausgelöst. Bei einem myogenen Herzen wie dem menschlichen werden die fĂŒr die Herzaktion nötigen Impulse spontan und rhythmisch in spezialisierten Herzmuskelzellen erzeugt, den Schrittmacherzellen. Damit sich die elektrische Erregung ĂŒber das Herz ausbreiten kann, sind die einzelnen Herzmuskelzellen ĂŒber kleine Poren in ihren Zellmembranen miteinander verbunden. Ăber diese Gap Junctions flieĂen Ionen von Zelle zu Zelle. Dabei nimmt die Erregung im Sinusknoten zwischen oberer Hohlvene und rechtem Herzohr ihren Ursprung, breitet sich erst ĂŒber beide Vorhöfe aus und erreicht dann ĂŒber den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) in der Ventilebene die Kammern.
In den beiden Herzkammern gibt es ein Erregungsleitungssystem zur schnelleren Fortleitung, das aus spezialisierten Herzmuskelzellen besteht. Diese Zellen bilden vom AV-Knoten ausgehend das His-BĂŒndel, das das Herzskelett durchbohrt und sich in einen rechten und einen linken Tawara-Schenkel fĂŒr die rechte und die linke Kammer aufteilt. Der linke Tawara-Schenkel teilt sich in ein linkes vorderes und ein linkes hinteres BĂŒndel. Die Endstrecke des Erregungsleitungssystems wird durch Purkinje-Fasern gebildet, die bis zur Herzspitze verlaufen, dort umkehren und direkt unter dem Endokard in der Arbeitsmuskulatur enden. Zum Teil können sie auch als âfalsche SehnenfĂ€denâ (Chordae tendineae spuriae) oder innerhalb der ModeratorbĂ€nder (Trabeculae septomarginales) durch die Lichtung der Kammer ziehen. Dieses System ermöglicht den Kammern, sich trotz ihrer GröĂe koordiniert zu kontrahieren.
Erreichen den AV-Knoten aus irgendeinem Grunde keine Vorhoferregungen, so geht von ihm selbst eine langsamere Kammererregung aus (ca. 40/min). Der AV-Knoten bildet auch einen Frequenzfilter, der zu schnelle Vorhoferregungen (z. B. bei Vorhofflattern oder -flimmern) abblockt (â AV-Block).
Mechanik der Herzaktion
Das menschliche Herz pumpt in Ruhe etwa das gesamte Blutvolumen des Körpers einmal pro Minute durch den Kreislauf, das sind bei Erwachsenen etwa fĂŒnf Liter pro Minute. Bei körperlicher Belastung kann die Pumpleistung etwa auf das FĂŒnffache gesteigert werden, wobei sich der Sauerstoffbedarf entsprechend erhöht. Diese Steigerung wird durch eine Verdoppelung des Schlagvolumens und eine Steigerung der Herzfrequenz um den Faktor 2,5 erreicht.
Bei jeder Pumpaktion fördert jede Kammer und jeder Vorhof etwas mehr als die HĂ€lfte des maximalen FĂŒllungsvolumens, also etwa 50â100 ml Blut. Das ist die Ejektionsfraktion, also der prozentuale Anteil am enddiastolischen FĂŒllungsvolumen, welcher aus der Herzhöhle herausgeworfen wird. Die Herzfrequenz (SchlĂ€ge/Minute) betrĂ€gt in Ruhe 50â80/min (bei Neugeborenen ĂŒber 120â160) und kann unter Belastung auf ĂŒber 200/min ansteigen. Liegt ein zu langsamer Herzschlag vor (unter 60/min im Ruhezustand), wird von einer Bradykardie gesprochen. SchlĂ€gt das Herz zu schnell (bei Erwachsenen ĂŒber 100/min im Ruhezustand), spricht man von einer Tachykardie.
WĂ€hrend eines Herzzyklus fĂŒllen sich zunĂ€chst die Vorhöfe, wĂ€hrend gleichzeitig die Kammern das Blut in die Arterien auswerfen. Wenn sich die Kammermuskulatur entspannt, öffnen sich die Segelklappen und das Blut flieĂt, gesaugt durch den Druckabfall in den Kammern, aus den Vorhöfen in die Kammern. UnterstĂŒtzt wird dies durch ein Zusammenziehen der Vorhöfe (Vorhofsystole). Es folgt die Kammersystole. Hierbei zieht sich die Kammermuskulatur zusammen, der Druck steigt an, die Segelklappen schlieĂen sich und das Blut kann nur durch die nun geöffneten Taschenklappen in die Arterien ausströmen. Ein RĂŒckfluss des Blutes aus den Arterien wĂ€hrend der Entspannungsphase (Diastole) wird durch den Schluss der Taschenklappen verhindert. Die Strömungsrichtung wird also allein durch die Klappen bestimmt.
Neben der Muskulatur, dem weitaus gröĂten Teil der Gewebemasse des Herzens, besitzt das Herz ein sogenanntes Herzskelett. Es handelt sich hier um eine bindegewebige Struktur, die hauptsĂ€chlich aus den âEinfassungenâ der Ventile besteht. Das Herzskelett hat drei wichtige Funktionen: Es dient als Ansatz fĂŒr die Muskulatur, als Ansatz fĂŒr die Herzklappen (daher auch als Ventilebene bezeichnet) und zur elektrischen Trennung von Vorhof- und Kammermuskulatur, um eine gleichzeitige Kontraktion zu verhindern.
Das Herzskelett ist ausschlaggebend fĂŒr die Mechanik der Herzaktion: Aufgrund des RĂŒckstoĂes bei der Blutaustreibung ist die Herzspitze im Laufe des gesamten Herzzyklus relativ fixiert und bewegt sich kaum. Somit wird folglich bei einer Kontraktion der Kammermuskulatur (Systole) die Ventilebene nach unten in Richtung der Herzspitze gezogen. In der Erschlaffungsphase der Kammermuskulatur (Diastole) bewegt sich die Ventilebene wieder in Richtung Herzbasis.
Bei der Senkung der Ventilebene wird somit zum einen das Blut aus der Kammer in den Kreislauf ausgeworfen und zum anderen vergröĂert sich auch der zugehörige Vorhof. Es kommt zu einem Unterdruck, wodurch Blut aus den groĂen Venen in die Vorhöfe strömt. Bei der Erschlaffung der Kammermuskulatur hebt sich nun die Ventilebene, wodurch die Kammern passiv ĂŒber die BlutsĂ€ulen der Vorhöfe ausgedehnt werden und sich dadurch zu etwa 70â80 % fĂŒllen. Die anschlieĂende Kontraktion der Vorhöfe pumpt nun das restliche Blut in die Kammern und leitet somit einen neuen Herzzyklus ein. Die Vorhofkontraktion ist daher nicht zwingend fĂŒr das Funktionieren des Herzens nötig, was sich auch daran zeigt, dass (im Gegensatz zum Kammerflimmern) Patienten mit Vorhofflimmern durchaus lebensfĂ€hig sind.
Ein etwa mit einem Pulmonaliskatheter gemessener erniedrigter Druck im rechten Vorhof kann auf ein unzureichendes Blutvolumen oder eine Sepsis, ein erhöhter auf einen kardiogenen Schock, einen rechtsventrikulÀren Herzinfarkt, eine Lungenembolie oder eine Herzbeuteltamponade hinweisen.cite-ref-23[23]
Regulation
Bei körperlicher Belastung wird die Herzleistung durch die Einwirkung sympathischer Nervenfasern gesteigert, die an den Zellen der Arbeitsmuskulatur und auch des Erregungsleitungssystems den Transmitter Noradrenalin freisetzen. ZusĂ€tzlich erreicht Noradrenalin zusammen mit Adrenalin das Herz als Hormon ĂŒber die Blutbahn. Die Wirkung von Noradrenalin und Adrenalin wird ĂŒberwiegend ĂŒber ÎČ1-Adrenozeptoren vermittelt. Dieser ist G-Protein-gekoppelt und aktiviert eine Adenylatcyclase (AC), welche die Synthese von cAMP aus ATP katalysiert. Daraufhin phosphoryliert eine cAMP-abhĂ€ngige Proteinkinase (PKA) CalciumkanĂ€le und erhöht dadurch den langsamen Einstrom von Calcium in die Muskelzelle. Dies fĂŒhrt zur AusschĂŒttung von weiterem Calcium aus dem Sarkoplasmatischen Retikulum (SR) und damit zur gesteigerten Muskelkontraktion des Herzens wĂ€hrend der Systole (positiv inotroper Effekt). AuĂerdem phosphoryliert die PKA das Phospholamban des SR, wodurch die Calciumaufnahme ins SR erhöht wird und die Relaxationszeit des Herzens in der Diastole verkĂŒrzt wird (positiv lusitroper Effekt).cite-ref-24[24] Zudem steigen die Herzfrequenz (positiv chronotrop) und die Ăberleitungsgeschwindigkeit im AV-Knoten (positiv dromotrop) an.
Der Gegenspieler des Sympathikus ist auch am Herzen der Parasympathikus, welcher ĂŒber den Nervus vagus (X. Hirnnerv) wirkt, der mit dem Transmitter Acetylcholin die Herzfrequenz, die Kontraktionskraft des Herzens, die Ăberleitungsgeschwindigkeit des AV-Knotens und die Erregbarkeit des Herzens herabsetzt (negativ chronotrop, negativ inotrop, negetiv dromotrop und negativ bathmotrop), wobei die Wirkung des Parasympathikus auf die Ino- und Bathmotropie eher gering ist.
Gleichzeitig passt sich die Kontraktionskraft (Herzkraft) automatisch den Erfordernissen an: Wird der Herzmuskel durch zusĂ€tzliches Blutvolumen stĂ€rker gedehnt, so verbessert sich dadurch die Funktion der kontraktilen Elemente in den Muskelzellen (Frank-Starling-Mechanismus). Dieser Mechanismus trĂ€gt wesentlich dazu bei, dass sich die gleichzeitigen Schlagvolumina von rechter und linker Kammer nicht unterscheiden: Erhöht sich aus irgendeinem Grund kurzfristig das Schlagvolumen einer HerzhĂ€lfte, so fĂŒhrt dies zu einer VergröĂerung des FĂŒllungsvolumens der anderen HerzhĂ€lfte bei der folgenden Herzaktion. Dadurch wird die Wand stĂ€rker gedehnt und die Kammer kann mit verbesserter Kontraktionskraft ebenfalls ein gröĂeres Blutvolumen auswerfen. Bei jeder Herzaktion ist in allen vier Herzhöhlen das Produkt aus enddiastolischem FĂŒllungsvolumen und zugehöriger Netto-Ejektionsfraktion notwendigerweise konstant. GĂ€be es diese Gleichheit der vier Schlagvolumina nicht, kĂ€me es sofort zum Blutstau.
Das Herz produziert in seinen Vorhöfen (vor allem im rechten Vorhof) auch dehnungsabhÀngig ein harntreibendes Hormon, das atriale natriuretische Peptid (ANP), um Einfluss auf das zirkulierende Blutvolumen zu nehmen.
Erkrankungen
â
Hauptartikel
:
Kardiologie
und
Kinderkardiologie
In der Medizin beschĂ€ftigt sich die Kardiologie als Spezialgebiet der Inneren Medizin mit dem Herzen und der konservativen Behandlung der Herzerkrankungen bei Erwachsenen; Operationen am Herzen werden von Herzchirurgen durchgefĂŒhrt. Herzerkrankungen von Kindern sind, soweit konservativ therapierbar, Gegenstand der Kinderkardiologie, welche sich als Teilgebiet der PĂ€diatrie seit etwa 1975 entwickelt hat. Die operative Therapie bei Kindern wird, zumindest in Deutschland, von der als Spezialisierung etablierten Kinderherzchirurgie ĂŒbernommen. Da seit etwa 1995 zunehmend Kinder mit komplexen angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter erreichen, stellt sich heute die Frage der medizinischen Versorgung fĂŒr diesen Patientenkreis, der lebenslang auf kardiologische Kontrolluntersuchungen angewiesen ist und bei dem eventuell auch Re-Operationen anstehen. Erst vereinzelt haben sich bisher Erwachsenenkardiologen intensiv auf dem Gebiet der angeborenen Herzfehler fortgebildet. Kinderkardiologen sind zwar sehr kompetent im Bereich der verschiedenen Krankheitsbilder, jedoch als PĂ€diater nicht im Bereich der Erwachsenkardiologie ausgebildet. Deshalb werden heute zunehmend interdisziplinĂ€re Sprechstunden in verschiedenen Herzzentren angeboten.
Siehe auch
: Kategorie:Krankheitsbild in der Kardiologie
Siehe auch
Literatur
⹠Ole Martin HÞystad: Kulturgeschichte des Herzens. Von der Antike bis zur Gegenwart. Aus dem Norwegischen von Frank Zuber. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2006, ISBN 3-412-28705-9
⹠Susanne Hahn: Herz. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopÀdie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 581 ff.
âą Charles Reginald Schiller Harris: The heart and the vascular system in ancient Greek medicine from Alcmaeon to Galen. Oxford 1973.
âą Friedrich Wilhelm Hehrlein: Herz und groĂe GefĂ€Ăe. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen: Anfang â Entwicklung â Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei MĂŒnchen 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 164â185.
âą Das Herz (GedĂ€chtnisschrift fĂŒr Ernst Boehringer). 3 BĂ€nde. Dr. Karl Thomae GmbH, Biberach an der RiĂ 1965â1969.
âą Wolfgang Bargmann, Wilhelm Doerr: Das Herz des Menschen. Thieme, Stuttgart 1963.
âą Herbert Reindell, Helmut Klepzig: Krankheiten des Herzens und der GefĂ€Ăe. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 450â598.
âą T. East: The Story of Heart Disease. Dawson, London 1958.
âą Allan Burns: Observations on some of the most frequent and important diseases of the heart. Edinburgh 1809.
Weblinks
Wiktionary: Herz
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
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Commons
: Herz
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber Herz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Introduction to Cardiothoracic Imaging
âą HM Sommer: Herz (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive; PDF; 2,7 MB)
Animationen
âą 3-dim. Animation des schlagendes Herzens mit vielen Infos
âą 2-dim. Animation des schlagenden Herzens mit Diagrammen (englisch)
Institutionen
âą dgk-herzfuehrer.de â Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kardiologie
âą Deutschen Gesellschaft fĂŒr Thorax-, Herz- und GefĂ€Ăchirurgie
Einzelnachweise
cite-note-11. â Das Herkunftswörterbuch (= Der Duden in zwölf BĂ€nden. Band 7). Nachdruck der 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1997 (S. 283). Siehe auch Herz. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 30. August 2019 und Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 7. Auflage. TrĂŒbner, StraĂburg 1910 (S. 206).
cite-note-22. â Wolfgang Piper: Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-33725-6, S. 77.
cite-note-33. â Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. AusgewĂ€hlte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 23 und 184, Anm. 14.
cite-note-44. â Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. [âŠ]. 1989, S. 23.
cite-note-55. â Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. [âŠ]. 1989, S. 183 f.
cite-note-66. â Christopher D. Moyes, Patricia M. Schulte: Tierphysiologie. Pearson Studium, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-8273-7270-3, S. 6â7 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche â englisch: Principles of Animal Physiology. Ăbersetzt von Monika Niehaus, Sebastian Vogel).
cite-note-77. â Hans H. Lauer: Geschichtliches zur Koronarsklerose. BYK Gulden, Konstanz 1971 (Aus dem Institut fĂŒr Geschichte der Medizin der UniversitĂ€t Heidelberg), S. 4â9.
cite-note-lehrbuch3-88. â Heinz Penzlin: Lehrbuch der Tierphysiologie. 7. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8274-2114-2, S. 339â351.
cite-note-kurzes-99. â Adolf Remane, Volker Storch, Ulrich Welsch: Kurzes Lehrbuch der Zoologie. 5. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-437-20337-1, S. 188 f.
cite-note-tierphys-1010. â Christopher D. Moyes, Patricia M. Schulte: Tierphysiologie. Pearson Studium, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-8273-7270-3, S. 379â394 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche â englisch: Principles of Animal Physiology. Ăbersetzt von Monika Niehaus, Sebastian Vogel).
cite-note-lehrbuch-1212. â Heinz Penzlin: Lehrbuch der Tierphysiologie. 7. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8274-2114-2, S. 314â326.
cite-note-lehrbuch2-1414. â Heinz Penzlin: Lehrbuch der Tierphysiologie. 7. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8274-2114-2, S. 331.
cite-note-pr-tz-1515. â Maike PrĂŒtz et al.: Die Anatomie des Herzens der Landschildkröte (Testudinidae). In: Kleintierpraxis. Band 61, Heft 4, 2016, S. 185â194.
cite-note-archtype-1616. â F. L. Meijler, T. D. Meijler: Archetype, adaptation and the mammalian heart. In: Netherlands heart journal: monthly journal of the Netherlands Society of Cardiology and the Netherlands Heart Foundation. Band 19, Nummer 3, MĂ€rz 2011, S. 142â148, ISSN 1876-6250. doi:10.1007/s12471-011-0086-4. PMID 21475406. PMC 3047700 (freier Volltext).
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cite-note-2222. â Wilkenshoff, Kruck: Handbuch der Echokardiographie. 6. aktualisierte und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart / New York 2017, ISBN 978-3-13-159666-6.
cite-note-2323. â Amitava Majumder, Anne Paschen: Ărztliche Arbeitstechniken. In: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage. Elsevier, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-437-23763-8, S. 29â93, hier: S. 39 f. (Pulmonaliskatheter).
cite-note-2424. â Erland Erdmann: Klinische Kardiologie. 7. Auflage. Springer-Verlag